Was verdient man während einer Handwerksausbildung?

Ausbildungsvergütungen im Handwerk sind seit 2020 deutlich gestiegen, nicht zuletzt durch die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, die seit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz gilt.

Mindestausbildungsvergütung 2025 (gesetzlich):

  • 1. Lehrjahr: 682 €/Monat
  • 2. Lehrjahr: 805 €/Monat
  • 3. Lehrjahr: 921 €/Monat

Quelle: BMBF, Berufsbildungsgesetz § 17, Stand 2025

In der Praxis zahlen viele Handwerksbetriebe mehr als das gesetzliche Minimum. Einige handwerkliche Branchen haben eigene Tarifverträge, die deutlich darüber liegen.

Beispiele nach Beruf (Niedersachsen, Tarifvertrag):

Beruf1. Lehrjahr3. Lehrjahr
Kfz-Mechatroniker/in750-850 €1.000-1.100 €
Elektroniker/in770-900 €1.050-1.200 €
SHK-Anlagenmechaniker/in780-920 €1.000-1.150 €
Tischler/in600-750 €850-1.000 €
Bäcker/in580-720 €800-950 €
Maurer/in700-900 €1.050-1.200 €

Quellen: ZDH, Tarifinformationen 2024; IG Metall Niedersachsen 2024

Was verdient man nach der Handwerksausbildung?

BerufEinstiegsgehaltNach 5 Jahren
Kfz-Mechatroniker/in2.600-3.200 € brutto3.000-3.800 €
Elektroniker/in2.800-3.500 € brutto3.200-4.000 €
SHK-Anlagenmechaniker/in2.600-3.400 € brutto3.000-4.200 €
Tischler/in2.200-2.800 € brutto2.600-3.400 €
Bäcker/in2.000-2.500 € brutto2.300-3.000 €

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas 2024 (Niedersachsen, Vollzeit)

Zum Vergleich: Ein Hochschulabsolvent in BWL startet in Deutschland im Schnitt bei 3.200-3.800 € brutto, aber erst nach 3-5 Jahren Studium ohne Einkommen. Ein Kfz-Mechatroniker kann bereits mit Gesellenbrief dieses Niveau erreichen.

Was verdient man als Handwerksmeister?

Mit dem Meistertitel ändert sich das Gehaltsgefüge fundamental. Handwerksmeister sind keine Fachkräfte mehr, sie sind Führungskräfte, Ausbilder und häufig Selbstständige.

  • Angestellter Meister: 3.500-5.500 € brutto je nach Betrieb und Branche
  • Selbstständiger Meister: stark variabel, aber 5.000-10.000 € Nettoeinkommen sind keine Ausnahme
  • Meistertitel ermöglicht Hochschulzugang in Niedersachsen: Meister können ohne Abitur studieren

Quelle: ZDH-Jahresbericht 2023; Wirtschaftsministerium Niedersachsen

Warum unterschätzen so viele das Handwerk?

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus 2023 zeigt: 68 % der Eltern in Deutschland bewerten eine Ausbildung als schlechter als ein Studium, unabhängig vom Beruf und Gehalt. Dieses Bild ist 30 Jahre alt und entspricht nicht mehr der Realität.

Tatsächlich:

  • Übernahmequoten im Handwerk lagen 2024 bei 76 % (alle Branchen) bis über 85 % (Elektro, SHK)
  • Die Jugendarbeitslosigkeit im Handwerk ist strukturell niedrig
  • Handwerksbetriebe sind krisenresistenter als viele Büroberufe: Heizungen müssen auch in Krisen repariert werden

Quellen: BIBB-Datenreport 2024; IW Köln, 2023

Welche Handwerksberufe sind besonders gefragt in Niedersachsen?

  • SHK-Anlagenmechanik: Laut Handwerkskammer Oldenburg bleiben in der Region durchschnittlich 40 % der SHK-Ausbildungsplätze unbesetzt
  • Elektrohandwerk: Steigende Nachfrage durch Photovoltaik, E-Mobilität und Wärmepumpen
  • Kfz-Mechatronik: Auch im Wandel zur Elektromobilität weiterhin stark nachgefragt

Quelle: Handwerkskammer Oldenburg, Ausbildungsmarktreport 2024

Fazit: Was wirklich stimmt

Das Handwerk bezahlt schlechter als ein Studium? Nur, wenn man die fehlenden Studienjahre ohne Einkommen nicht einrechnet. Und nur, wenn man Meistertitel-Potenzial ignoriert.

Wer mit 16 eine Ausbildung beginnt, ist mit 19 fertig, verdient Geld, hat Berufserfahrung, und kann mit 25 als Meister bereits einen eigenen Betrieb führen, während Kommilitonen noch im Masterstudium sitzen.

Das ist kein Selbstzweck-Argument. Es ist ein Rechenbeispiel. Und es erklärt, warum das Handwerk für die Richtige oder den Richtigen eine ausgezeichnete Wahl ist.